‚It’s ok to be scared. Being scared means you’re about to do something really really brave.‘

Wir haben Mitte Juli. Mein letzter Post ist bereits einige Wochen her. Nicht, weil ich nichts zu sagen habe, sondern weil ich ein Mensch bin, der sich auf gewisse Situationen erstmal einlassen muss um mit ihnen zurecht zu kommen…

Chemo 8 von 8 habe ich überstanden, Nebenwirkungen inklusive. Ein schönes Gefühl – es fühlt sich an als hätte man seinen Führerschein bestanden. Bevor du die Prüfung bestehst und somit das Gefühl von unendlicher Freiheit hast, musst du eine gewisse Zeit regelmäßig hingehen und lernen.

Ich fühle mich erleichtert und glücklich. Trotzdem ist da dieser graue Schleier in meinem Kopf, der die positiven Gefühle übertüncht. Egal was ich tue, egal wie glücklich ich darüber sein könnte, dass ich endlich wieder so etwas wie Freiheit fühlen darf, der graue Schleier bleibt und lässt mich tiefe Frustration verspüren. Der Grund dafür ist ganz einfach; ich BIN nicht frei. Jeden Tag lebe ich in ständiger Angst vor dem was kommt. Nur weil ich meine Chemotherapie abgeschlossen habe, hat dieser Albtraum noch lange kein Ende. Um genau zu sein ist es wie ein niemals endender Albtraum. Eine Spirale aus Angst, Hoffnung, Glücklich sein. Tag ein, Tag aus. Die letzten 7 Monate waren Port, Chemobeutel, Schmerzen, MRT’s, Ct’s, wöchentliche Besuche zur Blutkontrolle, Lympdrainage, Krankenhausaufenthalte, Taxifahrten, Übelkeit, Schlaf und die immer währende Frage „Wie wird dieser Krimi ausgehen?“, meine Begleiter. Auch wenn der Führerschein geschafft wäre, kann mir keiner sagen wie lange ich damit noch rumfahren werde und ob ich irgendwann mit meinem Wohnmobil voller Kids und meinem Mann die Westküste Europas erkunden darf…

Mitte September wird die Mastektomie stattfinden, ein paar Wochen später der Brustaufbau. Es liegt noch ein langer, steiniger Weg vor mir und mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher, ob mich diese ganze Zeckensituation kopfmäßig nicht mehr f**** als ich bisher dachte.

View Post

Wir schreiben Mittwoch den 31.05.2017. Die Sonne scheint durch das Schlafzimmerfenster und kitzelt mich wach. Es ist kurz vor 9 Uhr. Wie immer greife ich als erstes zu meinem Handy (ja ich sage noch Handy und das wird auch immer so bleiben), öffne Instagram und mache einen kurzen Check was in meiner Lieblingsapp so abgeht. Ein Herzchen hier, ein Kommi da und dann das – ich stolpere über ein Profil einer jungen Mama die vor ein paar Tagen die schreckliche Diagnose Brustkrebs mit Metastasen in der Lunge und im Kopf erhalten hat… Mir stockt der Atem.

View Post

„Holland ist die geilste Stadt der Welt“

… sangen einst die 257ers. Ob ich ihre Meinung teile lest ihr in den folgenden Zeilen. Achtung, eine kleine Bilderflut hat sich eingeschlichen. Alle Bilder habe ich übrigens mit meiner geliebten Olympys Pen E-PL7 geschossen (Nein, das ist keine Produktplatzierung – schön wär’s).

Vor kurzem waren Chris und ich in Holland, besser gesagt im sagenumwobenen Amsterdam. Einfach mal zwei Tage Auszeit vom (verkrebsten) Alltag genießen. Während Chris schon zum dritten mal da war, war es für mich der erste Besuch in dieser wunderschönen Stadt. Sowieso habe ich das Gefühl, dass so gut wie jeder Mensch, außer ich, schon da war und dass Amsterdam eine Stadt ist, die man einfach lieben muss.

View Post

Es ist Sonntag, 11:25 in Hamburg Winterhude. Vor 2 Stunden habe ich noch witzige Snaps mit meinem Kater auf Snapchat aufgenommen und jetzt, just in diesem Moment, überkommt mich die Traurigkeit und Verzweiflung…

In meinem Kopf geht das Gedankenkarussell los. Dieses miese „Was ist, wenn all deine Bemühungen wieder gesund zu werden umsonst waren und du es am Ende doch nicht packst“ Gefühl… Es ärgert mich, denn ich will genau diese Art von Gedanken nicht haben. Zu 95% gelingt es mir auch, diese Art von bösen Gedanken nicht zuzulassen und mich an all das Gute was ich habe zu besinnen, trotzdem kommen sie manchmal durch, diese fiesen Gedanken die mich von ein auf den anderen Moment schwach und traurig machen.

Und weil genau jetzt so ein Moment ist und ich gerade weinend, die Zimmerdecke im Schlafzimmer anstarre, dachte ich mir, dass es vielleicht hilft dem Frust freien lauf zu lassen, mir mein Macbook zu schnappen und einfach genau das niederzuschreiben was mir in diesem Moment durch den Kopf schießt. Ich habe diese Gefühle schon lange. Auch schon vor meiner Diagnose habe ich häufig „generelle Unzufriedenheit“ gespürt. Noch nie so stark ausgeprägt wie heute, aber es war schon immer da. Ich habe mich gefragt wo diese innere Unruhe herkommt und nie den Auslöser gefunden – bis vor 5 Minuten als mir, dem Selbstmitleid verfallen, auffiel, dass es unter anderem mein täglicher Konsum von Social Media ist, der mich innerlich fertig macht und ungewollt unter Druck setzt.

Gefühlt JEDER, dem ich folge hat ein spannenderes, erfüllteres Leben als ich. Ich sehe lauter Menschen die viel Sport machen und daraus resultierend schöne, sportliche Körper haben – dieser Zug ist für mich auf unbestimmte Zeit sowas von abgefahren und das ist beispielsweise schonmal eine Sache, die mich völlig fertig macht. Die meiste Zeit meines Lebens war ich unzufrieden mit meinem Körper. Bis ich 2014 mit gesunder Ernährung und Kraftsport anfing. Die Erfolge kamen schnell und innerhalb von 2 Jahren verlor ich 30 Kilo. Für mich ein riesen Erfolg – endlich fühlte ich mich in meinem Körper wohl. Bis Januar 2017 konnte ich meine Figur (bis auf ein paar extra Pfunde aus dem Italienurlaub 2016 mal abgesehen) halten und worauf ich bis dato super stolz war. Schaue ich mich heute im Spiegel an, finde ich mich hässlich. Ich sehe eine große glatzköpfige Frau mit Doppelkinn und Hängebauch (und bald nur noch einer Brust). Keine Spur von meinen geliebten Muskeln… Kein Wunder, dass ich nach dem Duschen möglichst schnell und ohne in einen Spiegel zu schauen ins Schlafzimmer husche und mich in Leggings und Schlabberpulli verhülle #Kortisonlässtgrüßen.

Zu wissen, dass ich mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nie wieder so „gut“ aussehen werde wie zu meinen Bestzeiten und dass ich mir auch das Pumpen im Gym aufgrund meiner Knochenmetastasen abschmieren kann, ist für mich persönlich so ziemlich das schlimmste was mir passieren kann. Denn das empfinden von Glück und mit sich im Reinen sein, basiert doch in erster Linie darauf sich wohlzufühlen. Nach vielen Jahren innerer Unzufriedenheit, habe ich für mich rausgefunden, dass der Sport und somit die körperliche, positive Veränderung mich vor allem GEISTIG verändert hat und der Sport für mich wirklich die allerbeste Therapie ist um die Basis des Glücklichseins, aufrecht zu erhalten und eine innere Ausgeglichenheit zu schaffen. Jetzt, wo dieser Teil schon seit Januar nicht mehr existiert und auch auf unbestimmte Zeit wegbricht, könnt ihr euch vielleicht ungefähr vorstellen wie ich mich fühle.

Ich glaube ich leide unter akuter Freundinnen-Vermisseritis

Ich öffne Instagram, durchstöbere Insta-Stories und Snapchat und sehe – mal wieder – Menschen die, wie oben ausführlich beschrieben, zum Sport gehen, Menschen die sich mit guten Freunden treffen, Café Dates in der Sonne genießen oder große Grillparties geben. Ich sehe Menschen die ihre Zeit mit kleinen, süßen (und auch oft anstrengenden) Babies verbringen und ich sehe Menschen die im Urlaub sind und es sich einfach gut gehen lassen. Zusammengefasst: mein Handy ist voll von glücklichen Menschen die ihr Leben in den sozialen Medien teilen und die mich damit ganz einfach auf einer Art „neidisch“ machen und mein Fruststrationslevel in die Höhe schießen lassen. Dass ich mir das eingestehen würde und auch noch laut aussprechen könnte, hätte ich niemals gedacht, da es eigentlich ziemlich erbärmlich ist andere Menschen um etwas zu „beneiden“ was man theoretisch selbst auch haben kann. Das Problem ist nur, meine 3 besten Freundinnen leben nicht in Hamburg. Wir sehen uns vielleicht alle 6-8 Wochen am Wochenende. Im Verhältnis zu früher, wo wir noch alle in einer Stadt gelebt haben und uns bestimmt 3 x die Woche trafen, ist das absolut niederschmetternd. Neben dem akuten Sportmangel, ist mein akuter beste Freundinnenmangel auch sehr stark ausgeprägt. Da helfen auch WhatsApp und Co nicht… Ich hoffe, dass wir das in Zukunft irgendwie besser managen können. Ich liebe meine 3 Ladies so sehr. Danke, dass es euch gibt. Die Vermissung ist groß. Immer.

Der Grund hierfür ist ganz klar. Während mein Leben seit Januar irgendwie stehen geblieben ist und sich bei mir alles um Untersuchungen und Gesund werden dreht, gehen deren Leben normal weiter. Jobs, Partnerschaften, sich um die wesentlichen Dinge kümmern – das was vor der Diagnose auch bei mir ganz normal war. Im Endeffekt will ich damit sagen, dass sich mein Leben vorher um genau die selben banalen Alltagsdinge gedreht hat, während ich jetzt wöchentlich zur Laborkontrolle und anderen Untersuchungen muss, die Chemotherapie über mich ergehen lasse und die meiste Zeit Zuhause, gelangweilt auf dem Sofa sitze, wartend, dass sich irgendetwas tut. Und während ich das alles hier schreibe wird mir klar: ich will doch einfach nur mein altes Leben zurück…

Zurück zur Realität

Manche würden sagen „Kim, mach doch mal einen #DigitalDetox und pack dein Handy weg“, aber das will ich gar nicht. Ich will nicht vor glücklichen Menschen flüchten, nur weil bei mir gerade kein Friede Freude Eierkuchen ist. Zudem ist mir natürlich klar, dass vieles was da draußen gezeigt wird, mehr Schein als sein darstellt und nicht alles Gold ist was glänzt – niemand (oder sagen wir wenige Leute) zeigt seine dunklen und schwachen Momente, eigentlich ganz schön traurig, oder?

Gerade klingelte mein Handy. Es war meine Freundin aus der Nachbarschaft, die mich um 14 Uhr zu einem Spaziergang durch den Stadtpark abholt. Ein bisschen Vitamin D tanken und quatschen. Einfach von diesem ganzen Krebs-Mist ablenken und für einen kurzen Moment so tun als sei alles in Ordnung. Aber vielleicht ist bis auf meine Erkrankung auch wirklich alles in Ordnung und ich habe einfach nur mal wieder einen schlechten Tag. Manchmal ist es okay sich dreckig zu fühlen. Ob gestresste Mami, Vollzeitstudent, schwer krank oder auch einfach nur genervt von der Arbeit – es ist okay das Leben auch einfach mal nur scheisse zu finden. Solange wir uns immer wieder hochziehen und bewusst werden, dass wir nur dieses eine haben. Ich kämpfe, du kämpfst, wir kämpfen. Denn aufgeben ist keine Option.

Kim

„Heute geht’s mir gut“. Das ist meine Standard Antwort auf die wohl aktuell am häufigsten gestellte Frage überhaupt.

Dass meine Antwort auf diese (manchmal auch überflüssige) Frage in… sagen wir mal 7 von 10 Fällen, so positiv ausfällt, grenzt für mich selbst an ein Wunder. Denn wenn ich meinem Gegenüber sage, dass es mir gut geht, dann ist es in dem Moment auch die Wahrheit.

Der bisher schlimmste Moment meines Lebens

Sommer 2008. Es war ein lauer Sommerabend, da klingelte es an meiner Wohnungstür. Es war meine Mama, die ohne es mir vorher zu sagen, die 35 Km von Zuhause, zu mir nach Flensburg fuhr. Ich wusste das etwas nicht stimmte in der ersten Sekunde als ich die Tür aufmachte und in ihre verunsicherten Augen sah. Sie sagte, sie müsse mir etwas sagen und dass ich mich bitte setzen solle.

Keine 5 Minuten später verwandelte sich mein Körper in eine Schockstarre. Ich starrte meine Mama an und alles was ich noch gerade so hervorstottern konnte waren die Wörter „Nein“ und „Warum“. Ich glaube die Reihenfolge dieser Wörter hab ich bestimmt 7x wiederholt und dann ging auch schon das große Geheule los.

View Post