Geliebte rechte Brust,

morgen ist der Tag gekommen, vor dem ich mich seit Monaten fürchte. Wir müssen Abschied voneinander nehmen. Leider bist du nicht zu retten, denn in dir und deiner Haut, lauert eine sehr böse und unberechenbare Gefahr namens Zecke, bösartiger Tumor oder auch Brustkrebs.

Niemand weiß, wann sich die Zecke eingenistet hat, Fakt ist aber, dass sie so hinterhältig ist, dass nichts hilft außer sie und damit dich, radikal und komplett zu entfernen. Dieses Ding in dir, will mich mit all seiner Kraft töten. Es hat es tatsächlich auch schon geschafft seine widerlichen Zecken-Truppen loszuschicken, die sich durch meine Knochen und Leber fressen sollen. Die Ärzte und auch ich, haben jetzt aber schon so vieles getan um die Zecke und ihre Helfer in meinem Körper zu stoppen. Wir haben sie mit einer ganz fiesen Chemiekeule überrollt und auch in meiner Leber, haben wir schon ordentlich gewütet – anhand der MRT Bilder und anderen eindeutigen Merkmalen, können die Ärzte und auch ich sehen, dass all unsere Maßnahmen, dieses Scheißding in die Krebshölle zu verbannen, auch schon sehr gut angeschlagen haben und der Zecke samt hinterhältiger Truppen, langsam aber stetig, der Gar ausgeht.

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Wenn ich eines in den letzten 8 Monaten gelernt habe, dann, dass ich mit meinem Schicksal nicht alleine auf der Welt bin.

Ganz besonders am Anfang einer schlimmen Phase im Leben denkt man, dass es nichts und niemanden auf der Welt gibt, der auch nur im Ansatz nachvollziehen kann was man da gerade durchmacht. Ob eine schlimme Krankheit, der Tod eines geliebten Menschen, Selbstwertgefühl-Verlust durch z.B. Arbeitslosigkeit oder Depressionen nach einem schweren Trauma. Es gibt so viele unfassbar schreckliche Schicksale da draußen, von denen wir nicht mal erahnen können, dass sie überhaupt existieren. Aber eine Sache die uns Menschen immer wieder vereint wenn wir uns in einer gefühlt aussichtslosen Situation befinden, sind die quälenden Gefühle und die innerliche Fragerei wie zur Hölle wir das überleben sollen, wenn der Schmerz doch so verdammt tief sitzt und wann es endlich besser wird…

Neben der Tatsache, dass wir Menschen, denen ein solch fieser Schicksalsschlag den Boden unter den Füßen wegreißt, manchmal einfach nur unsere Selbstheilungskräfte aktivieren müssen in dem man an einem positiven Mindset arbeitet, gibt es da noch ein weiterer Faktor der wie eine wundersame Medizin auf die geschundene Seele wirkt: LIEBE.

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‚It’s ok to be scared. Being scared means you’re about to do something really really brave.‘

Wir haben Mitte Juli. Mein letzter Post ist bereits einige Wochen her. Nicht, weil ich nichts zu sagen habe, sondern weil ich ein Mensch bin, der sich auf gewisse Situationen erstmal einlassen muss um mit ihnen zurecht zu kommen…

Chemo 8 von 8 habe ich überstanden, Nebenwirkungen inklusive. Ein schönes Gefühl – es fühlt sich an als hätte man seinen Führerschein bestanden. Bevor du die Prüfung bestehst und somit das Gefühl von unendlicher Freiheit hast, musst du eine gewisse Zeit regelmäßig hingehen und lernen.

Ich fühle mich erleichtert und glücklich. Trotzdem ist da dieser graue Schleier in meinem Kopf, der die positiven Gefühle übertüncht. Egal was ich tue, egal wie glücklich ich darüber sein könnte, dass ich endlich wieder so etwas wie Freiheit fühlen darf, der graue Schleier bleibt und lässt mich tiefe Frustration verspüren. Der Grund dafür ist ganz einfach; ich BIN nicht frei. Jeden Tag lebe ich in ständiger Angst vor dem was kommt. Nur weil ich meine Chemotherapie abgeschlossen habe, hat dieser Albtraum noch lange kein Ende. Um genau zu sein ist es wie ein niemals endender Albtraum. Eine Spirale aus Angst, Hoffnung, Glücklich sein. Tag ein, Tag aus. Die letzten 7 Monate waren Port, Chemobeutel, Schmerzen, MRT’s, Ct’s, wöchentliche Besuche zur Blutkontrolle, Lympdrainage, Krankenhausaufenthalte, Taxifahrten, Übelkeit, Schlaf und die immer währende Frage „Wie wird dieser Krimi ausgehen?“, meine Begleiter. Auch wenn der Führerschein geschafft wäre, kann mir keiner sagen wie lange ich damit noch rumfahren werde und ob ich irgendwann mit meinem Wohnmobil voller Kids und meinem Mann die Westküste Europas erkunden darf…

Mitte September wird die Mastektomie stattfinden, ein paar Wochen später der Brustaufbau. Es liegt noch ein langer, steiniger Weg vor mir und mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher, ob mich diese ganze Zeckensituation kopfmäßig nicht mehr f**** als ich bisher dachte.

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Wir schreiben Mittwoch den 31.05.2017. Die Sonne scheint durch das Schlafzimmerfenster und kitzelt mich wach. Es ist kurz vor 9 Uhr. Wie immer greife ich als erstes zu meinem Handy (ja ich sage noch Handy und das wird auch immer so bleiben), öffne Instagram und mache einen kurzen Check was in meiner Lieblingsapp so abgeht. Ein Herzchen hier, ein Kommi da und dann das – ich stolpere über ein Profil einer jungen Mama die vor ein paar Tagen die schreckliche Diagnose Brustkrebs mit Metastasen in der Lunge und im Kopf erhalten hat… Mir stockt der Atem.

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„Holland ist die geilste Stadt der Welt“

… sangen einst die 257ers. Ob ich ihre Meinung teile lest ihr in den folgenden Zeilen. Achtung, eine kleine Bilderflut hat sich eingeschlichen. Alle Bilder habe ich übrigens mit meiner geliebten Olympys Pen E-PL7 geschossen (Nein, das ist keine Produktplatzierung – schön wär’s).

Vor kurzem waren Chris und ich in Holland, besser gesagt im sagenumwobenen Amsterdam. Einfach mal zwei Tage Auszeit vom (verkrebsten) Alltag genießen. Während Chris schon zum dritten mal da war, war es für mich der erste Besuch in dieser wunderschönen Stadt. Sowieso habe ich das Gefühl, dass so gut wie jeder Mensch, außer ich, schon da war und dass Amsterdam eine Stadt ist, die man einfach lieben muss.

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