42 Tage ist der große Einschnitt jetzt her. Seit dem ist viel passiert. Ich habe gelernt, die körperliche Veränderung anzunehmen und mich den Gegebenheiten zu stellen. Ich habe aber auch verstanden, dass diese Geschichte keine ist die ich allein meistern kann – und muss. Während den 8 Chemotherapien hab ich immer gefühlt und gesagt, dass ich keine psychische Unterstützung brauche, denn mein Social Medial Leben, das hier, ihr seid meine Psychiater. Ich kann mir meine Ängste, meine Sorgen und meinen Frust von der Seele schreiben und quatschen. Mittlerweile bin ich aber an einem Punkt angekommen, wo es nicht mehr weiter geht, wo ich nicht mehr weiter weiß. Kurz gesagt – diese verdammten Metastasen machen mir das Leben zur Hölle.

Meine Mama sagt, dass es ganz normal ist. Dass es jeder Frau mit Brustkrebs so geht. Erst hat man einen Haufen Untersuchungen, Behandlungen und Operationen, die dazu beitragen diese ungebetene Scheiße aus dem eigenen Körper zu verbannen und auf einmal – wenn die Behandlungen abgeschlossen und die Op’s gelaufen sind – nichts. Einfach nichts. Klar hat man hier und da noch seine Dinge die einem helfen, die Zecke im Zaum zu halten, aber so richtig weiter kommt man eben auch nicht. Es fühlt sich so an, als hätte ich die Liane verloren, an der ich mich all die Monate von Strohhalm zu Strohhalm gehangelt habe…

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Geliebte rechte Brust,

morgen ist der Tag gekommen, vor dem ich mich seit Monaten fürchte. Wir müssen Abschied voneinander nehmen. Leider bist du nicht zu retten, denn in dir und deiner Haut, lauert eine sehr böse und unberechenbare Gefahr namens Zecke, bösartiger Tumor oder auch Brustkrebs.

Niemand weiß, wann sich die Zecke eingenistet hat, Fakt ist aber, dass sie so hinterhältig ist, dass nichts hilft außer sie und damit dich, radikal und komplett zu entfernen. Dieses Ding in dir, will mich mit all seiner Kraft töten. Es hat es tatsächlich auch schon geschafft seine widerlichen Zecken-Truppen loszuschicken, die sich durch meine Knochen und Leber fressen sollen. Die Ärzte und auch ich, haben jetzt aber schon so vieles getan um die Zecke und ihre Helfer in meinem Körper zu stoppen. Wir haben sie mit einer ganz fiesen Chemiekeule überrollt und auch in meiner Leber, haben wir schon ordentlich gewütet – anhand der MRT Bilder und anderen eindeutigen Merkmalen, können die Ärzte und auch ich sehen, dass all unsere Maßnahmen, dieses Scheißding in die Krebshölle zu verbannen, auch schon sehr gut angeschlagen haben und der Zecke samt hinterhältiger Truppen, langsam aber stetig, der Gar ausgeht.

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Wenn ich eines in den letzten 8 Monaten gelernt habe, dann, dass ich mit meinem Schicksal nicht alleine auf der Welt bin.

Ganz besonders am Anfang einer schlimmen Phase im Leben denkt man, dass es nichts und niemanden auf der Welt gibt, der auch nur im Ansatz nachvollziehen kann was man da gerade durchmacht. Ob eine schlimme Krankheit, der Tod eines geliebten Menschen, Selbstwertgefühl-Verlust durch z.B. Arbeitslosigkeit oder Depressionen nach einem schweren Trauma. Es gibt so viele unfassbar schreckliche Schicksale da draußen, von denen wir nicht mal erahnen können, dass sie überhaupt existieren. Aber eine Sache die uns Menschen immer wieder vereint wenn wir uns in einer gefühlt aussichtslosen Situation befinden, sind die quälenden Gefühle und die innerliche Fragerei wie zur Hölle wir das überleben sollen, wenn der Schmerz doch so verdammt tief sitzt und wann es endlich besser wird…

Neben der Tatsache, dass wir Menschen, denen ein solch fieser Schicksalsschlag den Boden unter den Füßen wegreißt, manchmal einfach nur unsere Selbstheilungskräfte aktivieren müssen in dem man an einem positiven Mindset arbeitet, gibt es da noch ein weiterer Faktor der wie eine wundersame Medizin auf die geschundene Seele wirkt: LIEBE.

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Wir schreiben Mittwoch den 31.05.2017. Die Sonne scheint durch das Schlafzimmerfenster und kitzelt mich wach. Es ist kurz vor 9 Uhr. Wie immer greife ich als erstes zu meinem Handy (ja ich sage noch Handy und das wird auch immer so bleiben), öffne Instagram und mache einen kurzen Check was in meiner Lieblingsapp so abgeht. Ein Herzchen hier, ein Kommi da und dann das – ich stolpere über ein Profil einer jungen Mama die vor ein paar Tagen die schreckliche Diagnose Brustkrebs mit Metastasen in der Lunge und im Kopf erhalten hat… Mir stockt der Atem.

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Es ist Sonntag, 11:25 in Hamburg Winterhude. Vor 2 Stunden habe ich noch witzige Snaps mit meinem Kater auf Snapchat aufgenommen und jetzt, just in diesem Moment, überkommt mich die Traurigkeit und Verzweiflung…

In meinem Kopf geht das Gedankenkarussell los. Dieses miese „Was ist, wenn all deine Bemühungen wieder gesund zu werden umsonst waren und du es am Ende doch nicht packst“ Gefühl… Es ärgert mich, denn ich will genau diese Art von Gedanken nicht haben. Zu 95% gelingt es mir auch, diese Art von bösen Gedanken nicht zuzulassen und mich an all das Gute was ich habe zu besinnen, trotzdem kommen sie manchmal durch, diese fiesen Gedanken die mich von ein auf den anderen Moment schwach und traurig machen.

Und weil genau jetzt so ein Moment ist und ich gerade weinend, die Zimmerdecke im Schlafzimmer anstarre, dachte ich mir, dass es vielleicht hilft dem Frust freien lauf zu lassen, mir mein Macbook zu schnappen und einfach genau das niederzuschreiben was mir in diesem Moment durch den Kopf schießt. Ich habe diese Gefühle schon lange. Auch schon vor meiner Diagnose habe ich häufig „generelle Unzufriedenheit“ gespürt. Noch nie so stark ausgeprägt wie heute, aber es war schon immer da. Ich habe mich gefragt wo diese innere Unruhe herkommt und nie den Auslöser gefunden – bis vor 5 Minuten als mir, dem Selbstmitleid verfallen, auffiel, dass es unter anderem mein täglicher Konsum von Social Media ist, der mich innerlich fertig macht und ungewollt unter Druck setzt.

Gefühlt JEDER, dem ich folge hat ein spannenderes, erfüllteres Leben als ich. Ich sehe lauter Menschen die viel Sport machen und daraus resultierend schöne, sportliche Körper haben – dieser Zug ist für mich auf unbestimmte Zeit sowas von abgefahren und das ist beispielsweise schonmal eine Sache, die mich völlig fertig macht. Die meiste Zeit meines Lebens war ich unzufrieden mit meinem Körper. Bis ich 2014 mit gesunder Ernährung und Kraftsport anfing. Die Erfolge kamen schnell und innerhalb von 2 Jahren verlor ich 30 Kilo. Für mich ein riesen Erfolg – endlich fühlte ich mich in meinem Körper wohl. Bis Januar 2017 konnte ich meine Figur (bis auf ein paar extra Pfunde aus dem Italienurlaub 2016 mal abgesehen) halten und worauf ich bis dato super stolz war. Schaue ich mich heute im Spiegel an, finde ich mich hässlich. Ich sehe eine große glatzköpfige Frau mit Doppelkinn und Hängebauch (und bald nur noch einer Brust). Keine Spur von meinen geliebten Muskeln… Kein Wunder, dass ich nach dem Duschen möglichst schnell und ohne in einen Spiegel zu schauen ins Schlafzimmer husche und mich in Leggings und Schlabberpulli verhülle #Kortisonlässtgrüßen.

Zu wissen, dass ich mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nie wieder so „gut“ aussehen werde wie zu meinen Bestzeiten und dass ich mir auch das Pumpen im Gym aufgrund meiner Knochenmetastasen abschmieren kann, ist für mich persönlich so ziemlich das schlimmste was mir passieren kann. Denn das empfinden von Glück und mit sich im Reinen sein, basiert doch in erster Linie darauf sich wohlzufühlen. Nach vielen Jahren innerer Unzufriedenheit, habe ich für mich rausgefunden, dass der Sport und somit die körperliche, positive Veränderung mich vor allem GEISTIG verändert hat und der Sport für mich wirklich die allerbeste Therapie ist um die Basis des Glücklichseins, aufrecht zu erhalten und eine innere Ausgeglichenheit zu schaffen. Jetzt, wo dieser Teil schon seit Januar nicht mehr existiert und auch auf unbestimmte Zeit wegbricht, könnt ihr euch vielleicht ungefähr vorstellen wie ich mich fühle.

Ich glaube ich leide unter akuter Freundinnen-Vermisseritis

Ich öffne Instagram, durchstöbere Insta-Stories und Snapchat und sehe – mal wieder – Menschen die, wie oben ausführlich beschrieben, zum Sport gehen, Menschen die sich mit guten Freunden treffen, Café Dates in der Sonne genießen oder große Grillparties geben. Ich sehe Menschen die ihre Zeit mit kleinen, süßen (und auch oft anstrengenden) Babies verbringen und ich sehe Menschen die im Urlaub sind und es sich einfach gut gehen lassen. Zusammengefasst: mein Handy ist voll von glücklichen Menschen die ihr Leben in den sozialen Medien teilen und die mich damit ganz einfach auf einer Art „neidisch“ machen und mein Fruststrationslevel in die Höhe schießen lassen. Dass ich mir das eingestehen würde und auch noch laut aussprechen könnte, hätte ich niemals gedacht, da es eigentlich ziemlich erbärmlich ist andere Menschen um etwas zu „beneiden“ was man theoretisch selbst auch haben kann. Das Problem ist nur, meine 3 besten Freundinnen leben nicht in Hamburg. Wir sehen uns vielleicht alle 6-8 Wochen am Wochenende. Im Verhältnis zu früher, wo wir noch alle in einer Stadt gelebt haben und uns bestimmt 3 x die Woche trafen, ist das absolut niederschmetternd. Neben dem akuten Sportmangel, ist mein akuter beste Freundinnenmangel auch sehr stark ausgeprägt. Da helfen auch WhatsApp und Co nicht… Ich hoffe, dass wir das in Zukunft irgendwie besser managen können. Ich liebe meine 3 Ladies so sehr. Danke, dass es euch gibt. Die Vermissung ist groß. Immer.

Der Grund hierfür ist ganz klar. Während mein Leben seit Januar irgendwie stehen geblieben ist und sich bei mir alles um Untersuchungen und Gesund werden dreht, gehen deren Leben normal weiter. Jobs, Partnerschaften, sich um die wesentlichen Dinge kümmern – das was vor der Diagnose auch bei mir ganz normal war. Im Endeffekt will ich damit sagen, dass sich mein Leben vorher um genau die selben banalen Alltagsdinge gedreht hat, während ich jetzt wöchentlich zur Laborkontrolle und anderen Untersuchungen muss, die Chemotherapie über mich ergehen lasse und die meiste Zeit Zuhause, gelangweilt auf dem Sofa sitze, wartend, dass sich irgendetwas tut. Und während ich das alles hier schreibe wird mir klar: ich will doch einfach nur mein altes Leben zurück…

Zurück zur Realität

Manche würden sagen „Kim, mach doch mal einen #DigitalDetox und pack dein Handy weg“, aber das will ich gar nicht. Ich will nicht vor glücklichen Menschen flüchten, nur weil bei mir gerade kein Friede Freude Eierkuchen ist. Zudem ist mir natürlich klar, dass vieles was da draußen gezeigt wird, mehr Schein als sein darstellt und nicht alles Gold ist was glänzt – niemand (oder sagen wir wenige Leute) zeigt seine dunklen und schwachen Momente, eigentlich ganz schön traurig, oder?

Gerade klingelte mein Handy. Es war meine Freundin aus der Nachbarschaft, die mich um 14 Uhr zu einem Spaziergang durch den Stadtpark abholt. Ein bisschen Vitamin D tanken und quatschen. Einfach von diesem ganzen Krebs-Mist ablenken und für einen kurzen Moment so tun als sei alles in Ordnung. Aber vielleicht ist bis auf meine Erkrankung auch wirklich alles in Ordnung und ich habe einfach nur mal wieder einen schlechten Tag. Manchmal ist es okay sich dreckig zu fühlen. Ob gestresste Mami, Vollzeitstudent, schwer krank oder auch einfach nur genervt von der Arbeit – es ist okay das Leben auch einfach mal nur scheisse zu finden. Solange wir uns immer wieder hochziehen und bewusst werden, dass wir nur dieses eine haben. Ich kämpfe, du kämpfst, wir kämpfen. Denn aufgeben ist keine Option.

Kim